____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Leder
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Leder ist durch Gerbung chemisch haltbar gemachte Tierhaut, deren natĂźrliche Faserstruktur dabei erhalten bleibt. Es wird zwischen den Begriffen Leder und Pelz (Pelzfell) unterschieden. Leder wird aus der Lederhaut (anderer Name Dermis) genannten Hautschicht gewonnen. Sie besteht aus der äuĂeren Papillarschicht und der darunter liegenden Retikularschicht, die fĂźr die mechanische Festigkeit sorgt. Die Papillarschicht mit ihrer sehr feinen Faserstruktur ergibt am fertigen Leder die Narbenseite oder kurz âden Narbenâ. Die grobfasrige Retikularschicht wird als Aas- oder Fleischseite bezeichnet, aus der das Spaltleder gewonnen wird.
Die Haut von grĂśĂeren Tieren wie Rind, Ross, BĂźffel, Esel und die vom Schwein wird im rohen ungegerbten Zustand ebenso als Leder wie als Haut bezeichnet. Die Haut von kleineren Tieren wie Kalb, Ziege, Schaf wird Fell genannt. Sind nach der Gerbung die haarbildende Oberhaut oder Epidermis und Haare noch erhalten, handelt es sich bei dem Produkt um Pelz oder Pelzfell. Nach dem Enthäuten liegen die Häute und Felle meist flach vor. Bei kleinen Tieren, vor allem bei Pelzfellen, wird die Haut häufig schlauchfĂśrmig abgezogen.
Abzugrenzen ist Leder von dem Begriff Pergament, denn bei Pergament handelt es sich zwar ebenfalls um Tierhaut, diese wird im Unterschied zum Leder jedoch nicht gegerbt, sondern lediglich spanngetrocknet.
Contents
⢠Allgemein
⢠Eigenschaften
⢠Arten von Leder
⢠Nappaleder
⢠Leder vom Rind
⢠Ziegenleder
⢠Schafleder
⢠Gämsenleder
⢠Schweinsleder
⢠Känguruleder
⢠Reptilienleder
⢠Fischleder
⢠StrauĂenleder
⢠Elefantenleder
⢠Lederschäden
⢠Geschichte
⢠Moderne
⢠Ausgangsmaterial
⢠Herstellung
⢠Dicke des Leders
⢠Lederdekoration
⢠Verwendung
⢠Nach Herstellung
⢠Schäden
⢠Lederpflege
⢠Kritik
⢠Museen
⢠Deutschland
⢠Ăsterreich
⢠Italien
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Allgemein
Die Oberhaut und die Unterhaut machen etwa 15 % der Gesamtdicke der Rohhaut aus. FĂźr die Lederverarbeitung ist nur die obere Lederhaut von Bedeutung, bestehend aus der Papillarschicht und der Retikularschicht. Die Epidermis mit ihren Epithelzellen und denen daraus gebildeten Haaren, Schuppen, Talg- und SchweiĂdrĂźsen wird, wie auch die Unterhaut mit Bindegewebe, Muskeln (Fleisch) und Fett bei der Ledergewinnung abgetragen.cite-ref-1[1]
Eigenschaften
Leder ist ein geschmeidiges, zähes, eher festes, haltbares und vielseitig einsetzbares Material. Es ist begrenzt wasserdicht, dennoch ist es durchlässig fßr Luft und Wasserdampf, da es hygroskopisch ist.
Fßr die technische Beschreibung und Qualitätsbeurteilung von Leder sind die Dichte (spezifisches Gewicht), die Zugfestigkeit, die Dehnbarkeit, die Bruchfestigkeit des Narbens (siehe Flexometer), die Wasser- und Luftdurchlässigkeit, die Lichtbeständigkeit und die Schrumpfung entscheidend. Neben diesen physikalischen Werten werden chemische Werte wie Fettgehalt, Schrumpfungstemperatur im nassen Zustand, Gerbstoffgehalt, Waschbarkeit und Säuregehalt beurteilt.
Schwer oder gar nicht messbar sind Eigenschaften wie Weichheit, Struktur und Griff und die Optik. In der Praxis sind diese Eigenschaften fĂźr eine Entscheidung, ob und welches Leder verwendet wird, oft ebenso wichtig wie die technischen Parameter.
Arten von Leder
Leder wird aus den Häuten sehr unterschiedlicher Tierarten hergestellt. Die Einteilung in Lederarten erfolgt meist nach der Tierart, aber auch nach dem Verwendungszweck. Die nach der Tierart benannten Leder kÜnnen durch ihr charakteristisches Narbenbild unterschieden werden.
Nappaleder
Echtes Nappaleder ist ein weiches, chromgegerbtes Glattleder mit natĂźrlichem Narbenbild aus ungespaltenen Schaf-, Lamm-, Ziegenfellen, sowie aus GroĂviehhäuten mit glatter Oberfläche. Je nach Gerbung und fĂźr Bekleidung wird es bevorzugt durchgefärbt. Durch besondere Verfahren in der Zurichtung wird die natĂźrliche Narbenseite herausgearbeitet, poliert oder in den Qualitäten matt, seidig oder stark glänzend hergestellt. Das unterscheidet echtes Nappa von Nappalan, bei dem die Oberfläche mit Kunstharz beschichtet wird.cite-ref-vddl-2-0[2]cite-ref-3[3] Nappaleder wird als Sammelbegriff fĂźr besonders geschmeidiges Glattleder verwendet.
Leder vom Rind
Eine groĂe Reihe verschiedener Lederarbeiten wird aus Leder vom Rind hergestellt. Nappaleder und EcrasĂŠleder werden unter anderem aus dem Leder von Kälbern hergestellt. Andere Lederarten werden aus Rindsleder hergestellt.
Boxcalf
Aus Boxcalf, dem vom Kalb gewonnenen Leder, wird der grĂśĂte Teil der hochwertigen Herrenschuhe gefertigt, auĂerdem Taschen und andere Lederwaren mit zartem, fest anliegenden Narben.cite-ref-4[4] Es wird nach Alter und GrĂśĂe des Tieres in Babycalf, Boxcalf und Mastbox eingeteilt.cite-ref-5[5] Boxcalfleder fĂźhlt sich schmiegsam an und ist dabei trotzdem straff und sehr reiĂfest. Die Rechtsseite hat eine feine Narbenmaserung.
Färsenleder
goldchromGoldchrom
Goldchrom ist ein aus Häuten junger Rinder hergestelltes chromgegerbtes Leder, das gelb gefärbt wird. Es wird vorwiegend zu Sportbällen verarbeitet.
Mastbox
Mastboxleder ist ein Boxcalfleder aus den Häuten von Mastkälbern. Es dient der Schuhherstellung.
Rindbox
Rindbox aus Rinderhäuten ist das Ausgangsmaterial fßr festeres Gebrauchsschuhwerk, da es eine massive Struktur aufweist und dabei trotzdem biegsam bleibt. In Gerbart und Zurichtung entspricht es dem Boxcalf, unterscheidet sich jedoch deutlich in der Faserdicke in seiner Fläche.
Vachetteleder
Vachetteleder oder Vachetten wurde fĂźr Koffer und Handtaschen verwendet, bekannt wurde es durch Louis Vuitton. Das Leder dunkelt und verändert sich bei BerĂźhrung mit Wasser und anderen FlĂźssigkeiten. Es wird aus groĂflächigen, vor der Gerbung gespaltenen Rinderhäuten hergestellt. Man unterscheidet zwischen stark gefetteten und geschwärzten Schmiervachetten, Koffer- und Taschenvachetten sowie Lack- und Autovachetten.
Ziegenleder
Das typische Narbenbild ist gekennzeichnet durch die halbmondfÜrmige Anordnung der DeckhaarlÜcher, die kettenfÜrmig ßber die ganze Oberfläche verteilt sind.cite-ref-7[7] Wie vom Kalb werden auch aus dem Leder junger Ziegen Nappaleder und EcrasÊleder (Kapziege) hergestellt. Hinzu kommen Lederarten, die nur aus Ziegen- oder Zickleinleder produziert werden:
Cheverau ist ein chromgegerbtes und durchgefärbtes, extrem feines Oberleder. Die Oberfläche ist glatt, weich, geschmeidig und weist eine charakteristische Faltenbildung auf. Die hochwertigsten stammen von jungen Ziegen (franz. chevreau = Zicklein). Felle älterer Tiere weisen stärkere und grÜbere Narben auf. Ursprßnglich wurde mit dem Begriff Chevreauleder ein feines GlacÊleder franzÜsischer Herkunft bezeichnet. Unter Chevreau wird heute ein Ziegenleder verstanden, das im Chromzweibad oder kombiniert gegerbt ist. Es wird häufig fßr Schuhe und Taschen verwendet.
maroquin Maroquin
Maroquin oder Marokkoleder ist ein geschwärztes Saffianleder mit feinen Narben. In der Buchbinderei bezeichnet Maroquin dagegen ein sumachgegerbtes, sehr haltbares Ziegenleder aus den Häuten der afrikanischen Kapziege, in der Struktur grobnarbig und besonders kräftig.
Saffianleder
Echtes Saffianleder wird aus den Fellen ostindischer Ziegen hergestellt und mit Sumach gegerbt. Ein Erkennungsmerkmal ist das typische âKnirschenâ. Die Bezeichnung wird von der Stadt Safi in Marokko hergeleitet. Saffian wird wegen seines festen, zähen und sehr haltbaren Materials zum Beispiel fĂźr Bucheinbände benutzt.cite-ref-8[8]
Gasometerleder
Gasometerleder ist ein beidseitig geschliffenes, weiches Verlours-Ziegenleder, das sehr gut zur Flächenabdichtung geeignet ist â unter anderem fĂźr die namengebenden Gasbehälter. Dicht gelocht wird es auch als Schuhfutter verwendet.
Schafleder
Chevretten
Eine Imitation des Chevreauleders durch Schafleder, hierbei fehlt die klassische Haarlochanordnung des Ziegenleders.
Mouton
eine Imitation des Saffianleders der Ziege durch Schafleder
Skiver
Skivers sind sehr dßnne Narbenspalte von Schafleder. Sie fallen teilweise bei der Produktion von Schaf- oder Lammvelours an und bestehen oft nur aus der Papillarschicht. Dadurch haben sie meist sehr schlechte mechanische Eigenschaften und werden bei der Verarbeitung auf Trägermaterialien aufkaschiert. Verwendet werden sie als Futterleder fßr Kleinlederwaren.
Waschleder
Waschleder ist meist ein Lammleder, das sehr dßnn ausgeschliffen wird. Es ist fast ohne Qualitätsverlust waschbar und behält bei immer wiederkehrendem Nasswerden und Auftrocknen seine Weichheit.
Gämsenleder
Schweinsleder
Porc
Das Leder vom Schwein hat nicht die Qualität wie von Pferd, Ziege oder Rind. Es wird oft fĂźr StraĂenschuhe des niedrigen Preissegments verwendet. Allerdings ist Porcleder durchaus strapazierfähig und formbeständig, was es fĂźr die Verarbeitung in gebrauchsfestem Schuhwerk durchaus geeignet macht. Das Leder ist an seinem charakteristischen, durch die Papillen bedingten Narbenbild zu erkennen.
Peccary
Pekari ist eine sßdamerikanische Wildschweinart, die in den tropischen Regenwäldern Amazoniens vorkommt und das hochwertige Peccaryleder liefert. Weichheit, Zähigkeit und samtartiger Griff zeichnen das seltene Leder aus.
Die Häute der im Regenwald erlegten Pekari werden gesammelt, trockenkonserviert und von Händlern in die Gerbereien gebracht. Zur Bestandserhaltung der Tiere werden regelmäĂige Zählungen durchgefĂźhrt, darauf aufbauend wird der Handel kontrolliert. Das sehr teure Leder wird vorwiegend fĂźr hochwertige Handschuhe (Autohandschuhe), aber auch fĂźr leichte Schuhe, Kleinlederwaren oder Luxusbekleidung eingesetzt. Peccary-Lederwaren haben eine gute Haltbarkeit, wird das Leder nass, kann es jedoch dunkle Flecken ausbilden.
Pferdeleder, Cordovan
â
Hauptartikel
:
Cordovan-Leder
Cordovan bezeichnet die Hinterpartie von Rosshäuten, die die sogenannten Shells oder butts (Kruppen) enthält. Der Name leitet sich von der spanischen Stadt Córdoba ab, in der man einst auf die Herstellung von Ziegenleder unter dem gleichen Namen spezialisiert war. Seine Lederstärke liegt zwischen 1,6 und 1,8 Millimetern, steht jedoch der Geschmeidigkeit von Boxcalfleder nicht nach. Cordovan ist wegen seiner geringen Verfßgbarkeit im oberen Lederpreissegment anzufinden. Zum einen geht das Angebot an Rohware stetig zurßck, und zum anderen ist das von der Hinterpartie eines Pferdes gewonnene Leder recht klein.
Känguruleder
Als Nebenprodukt der wirtschaftlichen Nutzung von Kängurufleisch wird auch das Leder des Kängurus verarbeitet. Känguruleder ist leichter und dehnbarer als Ziegen- oder Rindsleder, bekommt aber schneller Falten und dunkelt eher nach. Es findet unter anderem fĂźr HĂźte, Taschen, Schuhe, GĂźrtel, Peitschen, Motorrad-Schutzkleidung und Kleinlederwaren Verwendung. GroĂe Sportartikelhersteller, wie Adidas, vermarkten Produkte aus Känguruleder (wie den bekannten FuĂballschuh Copa Mundial) meist unter der Bezeichnung âK-Lederâ.cite-ref-9[9]
Die Populationen der groĂen Känguruarten wachsen, wegen der inzwischen fehlenden natĂźrlichen Feinde, ohne Bejagung so stark an, dass sie, entsprechend einer Studie, als Nahrungskonkurrenten des Nutzviehs durch Ăberweidung die Landwirtschaft und das Ăkosystem durch ĂberdĂźngung erheblich schädigen.cite-ref-10[10] Australien legt daher jährlich Abschussquoten fĂźr die etwa 50 Millionen Kängurus fest.cite-ref-11[11]
Der grĂśĂte Markt fĂźr Känguruleder ist Australien, gefolgt von Italien, wo zwischen 2012 und 2015 etwa 2 Millionen Häute verarbeitet wurden.cite-ref-12[12]
Reptilienleder
Reptilienleder hat ein charakteristisches Narbenbild mit Schuppen, ist sehr formstabil und wird vorwiegend fĂźr Luxusobjekte eingesetzt.
Krokodilleder
Zur Herstellung von echtem Krokodilleder wird vornehmlich die Haut junger, gezĂźchteter Krokodile verwendet. Ausgewachsene Exemplare haben zu groĂe und kräftige Schuppen, die bei der Verarbeitung leicht brechen. Bei Imitaten wird das typische Narbenbild auf Glattleder geprägt.
Fischleder
Fischleder wird aus der Haut von Fischen hergestellt. Verwendung findet insbesondere Aalleder sowie Leder von Dorschen, Rochen-Arten (z. B. Mantarochen), Haien etc. Es wird wegen seiner interessanten Lederhaut vorwiegend fĂźr Schuhe und Taschen verwendet.
StrauĂenleder
StrauĂenleder hat ein charakteristisches gänsehautartiges Narbenbild mit groĂen Federbälgen. Es ist besonders haltbar und an den typischen KnĂśtchen am RĂźcken zu erkennen. Bei Imitaten wird das typische Narbenbild auf Glattleder geprägt.
Elefantenleder
Elefantenleder hat ein stark ausgeprägtes Narbenbild. Es unterliegt strengen Einfuhrbedingungen nach Europa. Im deutschen Lederhandel wird es nicht angeboten.cite-ref-13[13]
Chemische Zusammensetzung
Die chemische Zusammensetzung des Leders hängt von dem jeweiligen Herstellungsverfahren ab. Der Anteil der eigentlichen Hautsubstanz kann dabei schwanken. Ein pflanzlich gegerbtes Leder hat einen hÜheren Gerbstoffgehalt und eine Hautsubstanz von 38 bis 46 Prozent, ein chromgegerbtes Leder dagegen kann bis zu 72 Prozent Hautsubstanz aufweisen. Alaun- und sämischgegerbte Leder liegen dazwischen.
Auch der Wassergehalt des Leders wird begutachtet. Leder ist hygroskopisch und daher ist der Wassergehalt immer abhängig von der umgebenden Luftfeuchtigkeit. Bei pflanzlich gegerbtem Leder liegt er bei etwa 14 Prozent, bei mineralgegerbtem Leder mit etwa 18 Prozent etwas hĂśher. Steigt der Fettgehalt im Leder, so sinkt der Wassergehalt. Die Wassermenge im Leder ist mitbestimmend fĂźr ReiĂfestigkeit, Griff, Stand, Gewicht und Elastizität.
Der Fettgehalt hängt unter anderem davon ab, von welchem Tier die Haut stammt. Normalerweise liegt der natĂźrliche Fettanteil der Haut bei etwa einem Prozent. Eine Ausnahme ist Schafleder, das bis zu 12 Prozent Naturfettgehalt aufweist. Während der Fettung beim Herstellungsprozess kann ein Fettanteil von bis zu 50 Prozent erreicht werden. Der Fettgehalt beeinflusst ebenso wie der Wassergehalt die Eigenschaften des Leders: ReiĂfestigkeit, Elastizität, WasseraufnahmevermĂśgen.
Wichtig ist auch die Menge des gebundenen Gerbstoffs. Darunter wird an die Proteine der Haut gebundener Gerbstoff in Relation zur Hautsubstanz verstanden. Pflanzlich gegerbtes Leder enthält 24 bis 32 Prozent, mineralgegerbtes 4 bis 6 Prozent und fettgegerbtes Leder 12 bis 18 Prozent gebundenen Gerbstoff. Daneben finden sich im Leder verschiedene Mineralstoffe, die dem Herstellungsprozess (Ăschern, Gerben) entstammen. Normalerweise ist der Gehalt bei pflanzlich gegerbtem Leder unter zwei Prozent, der des mineralisch gegerbten zwischen sieben und neun Prozent.
Lederschäden
Leder besteht als gegerbte Tierhaut grĂśĂtenteils aus quervernetzten Kollagenfasern. Diese Proteinfasern sollen im Zuge einer Lederpflege vor UmwelteinflĂźssen wie Schmutz, Nässe und Abrieb geschĂźtzt werden. Die häufigsten Zersetzungen an Ledern sind Hydrolysen, Oxidationen, Schimmelpilz, UV-Licht, FettfraĂ durch Fettsäuren, Roter Zerfall (durch Schwefeldioxidbindung entsteht mit Luftfeuchtigkeit Schweflige Säure, die eine Hydrolyse des Kollagens katalysiert), Abrieb, Knick- und DehnungsbrĂźche. Daneben kĂśnnen verschiedene Arten der Speckkäfer zu FraĂschäden fĂźhren. Manchen Lederschäden wie Oxidation und Hydrolyse kann durch eine Lederpflege vorgebeugt werden.
Ein Wasserkontakt fßhrt aufgrund der hygroskopischen Eigenschaft zu einer starken Hydratation und einer Schwellung des Leders. Beim Trocknen schrumpft das Leder, wodurch sich die Kollagenfasern umlagern und das Leder härter wird. Daher werden Leder nach Wasserkontakt gewalkt, um ihre Geschmeidigkeit teilweise wieder herzustellen. Bei ungepflegten farbigen Ledern kann ein Wasserkontakt zu einer lokalen Diffusion des Farbstoffs fßhren, was zu Wasserflecken fßhren kann, die nur durch Nachfärben wieder entfernt werden kÜnnen.
Geschichte
Vorgeschichte und RĂśmisches Reich
Einen einmaligen Einblick in die Vielfältigkeit steinzeitlicher Lederbearbeitung bietet die 5300 Jahre alte Gletschermumie Ătzi. Deren Schuhe, Oberbekleidung und MĂźtze waren aus verschiedenen Ledern hergestellt, bei denen eine Gerbung durch Fett und Rauch festgestellt werden konnte.cite-ref-14[14] Noch etwas älter ist ein 2008 entdeckter Lederschuh aus Armenien.cite-ref-15[15]cite-ref-pinhasi-16-0[16] Er wurde in der HĂśhle Areni I (Provinz Wajoz Dsor) in kupferzeitlichen Schichten entdeckt und mit der Radiokohlenstoffdatierung zwischen 3630 und 3380 v. Chr. datiert.cite-ref-pinhasi-16-1[16]
Lange vor der Zeitenwende waren lederne Gegenstände in Ăgypten, in Mesopotamien und bei den Israeliten in Gebrauch. Die pflanzliche Gerbung war schon im 4. Jahrtausend v. Chr. im alten Ăgypten bekannt. Auf dem Sarkophag von Ti, einem reichen Ăgypter, der etwa zwischen 2850 v. Chr. und 2700 v. Chr. gestorben ist, sind Szenen mit Gerbern zu erkennen.
In der Zeit des rÜmischen Imperiums wurde viel Leder fßr die Herstellung der Ausrßstung der Legionäre verwendet. Die Produktion wurde vor allem in Rom durch eine Zunft der Leder- und Hautverkäufer aus Ostia geregelt. Der Lederhandel war neben anderen einer der Grßnde fßr die punischen Kriege; Karthago war ein Zwischenhandelsplatz zwischen den Märkten Nordafrikas und denen des Mittelmeers und hatte dadurch das Monopol fßr den Lederhandel in Europa und im Mittelmeerraum.
Vom 3. Jahrhundert an war der Lederhandel unter rĂśmischer Aufsicht. Vermutlich waren SĂźdfrankreich und Spanien die Produktionszentren dieser Zeit. Dieses bestätigen vor allem Funde in Botonita (Zaragoza); dort wurden grĂśĂere Mengen Kalk, Schwefel und andere chemische Produkte gefunden, die vermutlich zum Gerben verwandt wurden. In den Ausgrabungen in Contrebia Belaisca wurden ebenfalls Beweise fĂźr die Existenz der Lederherstellung aus der Epoche zwischen dem 1. und dem 3. Jahrhundert v. Chr. entdeckt.
Mittelalter bis Barock
In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts Ăźbernahm Karl der GroĂe die rĂśmische Gesetzgebung hinsichtlich der Lederherstellung und deren Handel und belegte gleichzeitig einige Produkte mit einer Steuer. In dieser Zeit wurde Leder relativ grob verarbeitet. Es stammte meist aus einem nahen Einzugsgebiet, obwohl in Einzelfällen Leder auch importiert wurde.
Im Mittelalter war der Herstellungsprozess in Vorderasien und Nordafrika (maroquinerie) sehr viel weiter fortgeschritten als in Europa, sowohl in Bezug auf die Menge als auch hinsichtlich der Qualität. Erst im Jahr 1749 wurde die erste Saffianleder-Fabrik im Elsass installiert. Fßr die Mode dieser Zeit wurde oft auch Leder aus Sibirien importiert.
Die Herstellung einzelner Lederarten war in Deutschland lange Zeit bestimmten Regionen oder Städten vorbehalten. Die Geschichte der Lederwarenfertigung wird im Deutschen Ledermuseum in Offenbach dokumentiert.
⢠Sohlleder in Schnellgerbung in Norddeutschland, besonders in Hamburg
⢠Rossleder in Holstein
⢠Lackleder fßr Wagenverdecke in Mßlheim an der Ruhr
⢠feine Wichskalbleder in Barr im Elsass
⢠Kipsoberleder in Backnang
⢠farbige Leder in Offenbach am Main, wo noch die Lederwarenmesse stattfindet, und im Taunus
Moderne
Leder wird oft fĂźr besonders beanspruchte Kleidung verwendet. Es findet sich beispielsweise noch bei Cowboys, die es wahrscheinlich wegen seiner hohen ReiĂfestigkeit und der Resistenz gegen Wind und Wetter bevorzugen. Die ersten Piloten- und Motorradfahrerhelme waren aus Leder. In jĂźngerer Zeit werden zu Lederbekleidung auch die Heavy-Metal-Gruppen assoziiert.
Im 19. Jahrhundert finden sich in der Literatur verschiedene Hinweise auf Leder, in denen seine Verwendung im Bezug auf die menschliche Fantasie eine Rolle spielt, einschlieĂend sexueller Ausrichtungen. So hat sich Leopold von Sacher-Masoch, von dessen Nachnamen sich der Masochismus ableitet, sehr von der erotischen Seite des Leders angezogen gefĂźhlt. Dies zeigt er in seinen Romanen Venus im Pelz und Falsches Hermelin. Im Bereich BDSM ist die Verwendung von Lederkleidung und -accessoires auch verbreitet.
Bereits seit der Anfangszeit des Automobilbaus wird Leder fßr Sitzbezßge und Innenausstattungen von Fahrzeugen eingesetzt. Teil- oder Volllederausstattungen sind fßr gewÜhnlich aufpreispflichtige Sonderausstattungen. Aufgrund der hohen Beanspruchung, wie Kälte, Wärme, Nässe und Sonneneinstrahlung bestehen hier besondere Anforderungen, insbesondere hinsichtlich der Dehnbarkeit, Abriebfestigkeit, Lichtbeständigkeit und einer geringen Brennbarkeit.cite-ref-17[17]
Ausgangsmaterial
FĂźr die Herstellung von Leder kann jede tierische Haut verwendet werden. Das Ausgangsmaterial ist oft entscheidend fĂźr die Qualität. Leder stammt zum weitaus grĂśĂten Teil von Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen und Schweinen. Sie sind ein Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie. Insbesondere Rinderhäute lassen sich fĂźr die unterschiedlichsten Verwendungen einsetzen.
Daneben finden sich Leder aus Häuten exotischer Tiere und â eher selten â anderen Ursprungs. Vor allem die Schuh-, Handtaschenproduktion und andere Modebranchen haben exotische Quellen entdeckt. Dazu gehĂśren Krokodile, Wild (Hirsch, Reh, Elch), Bison, BĂźffel, Känguru, StrauĂ, Fische (Aalleder) und Schlangen. Besonders Krokodilleder und Schlangenhäute waren eine Zeit lang sehr in Mode, was bei einzelnen Arten fast zur Ausrottung fĂźhrte. In den 1970er Jahren wurden vor allem StrauĂe gezĂźchtet, deren Fleisch und Leder vielseitig eingesetzt werden konnte. StrauĂenleder gilt als sehr fein und sehr haltbar, es wird immer noch zu modischen Artikeln verarbeitet. Känguruleder wird oft fĂźr Motorradhandschuhe verwendet, fĂźr die es aufgrund seiner Stärke und Dehnungsfähigkeit eher geeignet ist als Kuh- oder Rindsleder.
Die Haut von Hunden und Katzen wurde zu Leder verarbeitet. Hundeleder wurde im Mittelalter bis zur Moderne im Bereich des Buchdrucks und anderer Drucktechniken angewendet, bei denen der Auftrag von Druckerschwärze auf den Druckstock mit einem Ledertampon erfolgte. Da der Hund ein porenfreies Leder hat â seine Haut ist nicht von SchweiĂdrĂźsen durchsetzt â, wurde vor allem Hundeleder dafĂźr benutzt. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war es fĂźr bestimmte Artikel, wie beispielsweise Handschuhe, sehr begehrt.
Einige Fundstßcke aus dem 11. Jahrhundert zeigen, dass Katzenfell von den Wikingern getragen und im Mittelalter in Europa gehandelt wurde. Zu dieser Zeit und noch vor etwa hundert Jahren schätzten insbesondere franzÜsische und englische Kßrschner Katzenleder als besonders geschmeidiges Material fßr Handschuhe. Hunde- und Katzenfelle unterliegen in Europa inzwischen einem Handelsverbot.
Es gibt sogar wenige Beispiele fßr die Verwendung menschlicher Haut fßr Bucheinbände (Anthropodermic bibliopegy).
Herstellung
â
Hauptartikel
:
Gerben
In der Gerberei wird aus verderblichen, den natĂźrlichen Abbauprozessen ausgesetzten Häuten ein dauerhafteres Produkt geschaffen. Die Häute werden zunächst in Salz oder durch Trocknen konserviert. In verschiedenen Prozessen der Wasserwerkstatt wie der Weiche, dem Enthaaren (Ăschern) und Entfleischen (mechanische Entfernung des Unterhautbindegewebes), dem Entkälken und der enzymatischen Beize, wird die Haut auf die eigentliche Gerbung vorbereitet. Von den gewĂźnschten Ledereigenschaften werden diese Arbeitsschritte schon wesentlich beeinflusst. Bei der eigentlichen Gerbung wird die bis dahin rohe Haut in Leder umgewandelt. In der Gerberei kĂśnnen verschiedene Rohstoffe eingesetzt werden.
Bei der pflanzlichen Gerberei (vegetabile Gerbung, Lohgerberei) werden Gerbstoffe in Eichen- oder Fichtenrinden, AuszĂźge aus Quebracho-, Kastanien- oder Eichenholz, Mimosa-, Sumach- und andere Holz- oder Rindengerbstoffe verwendet (âGerberloheâ).
Bei der Mineralgerbung werden Chromsalze, Aluminiumsalze Alaun (WeiĂgerbung) und Zirkonsalze benutzt. Neben den mineralischen und pflanzlichen Gerbstoffen werden synthetisch hergestellte Gerbstoffe (Syntane), Aldehyde (Glutardialdehyd, Formaldehyd) und Fettgerbstoffe (Trane) zur Gerbung verwendet. Erfolgte das Gerben frĂźher hauptsächlich in gemauerten Gruben mit wenig Bewegung, werden diese Prozesse heute in drehbaren Fässern aus Holz, Edelstahl oder Kunststoff durchgefĂźhrt. Der Aufbau ist ähnlich wie bei einer Waschmaschinentrommel, aber mit einem FassungsvermĂśgen von mehreren Kubikmetern.
Bei unsachgemäĂer DurchfĂźhrung kĂśnnen im Zuge der häufig industriellen Chromsalzgerbung giftige Abfallprodukte anfallen und auch im Leder selbst sich krebserregende RĂźckstände bilden. An kostengĂźnstigen pflanzlichen Alternativen wird geforscht. So wird inzwischen ein in Deutschland patentierter und auf Olivenblättern basierender Gerbstoff im kleinen Umfang eingesetzt.cite-ref-18[18]
Die Haut hat nach dem Gerben eine raue und eine glattere Seite. Die raue wird als Fleischseite (Aasseite) bezeichnet, da sie ursprßnglich dem Fleisch zugewandt war. Die glatte wird als der Narben bezeichnet und weist die jeweilige arttypische Oberflächenstruktur auf. Diese Narbenseite kann in verschiedenen Verfahren ihrem Verwendungszweck angepasst werden. Dabei kommen chemische und mechanische Prozesse in Frage.
Die Eskimos stellten ihr Leder auf eine besondere Weise her. Die Häute wurden gewalkt und dann mit den Zähnen gekaut, bis sie vollkommen geschmeidig und weich geworden waren.
Alle Gerbungen funktionieren nach der sogenannten Goldenen Gerberregel, die besagt: Kleinteilig oder mit wenig Bindungsneigung eines Gerbstoffes zur Hautsubstanz (Kollagen) beginnen/angerben. GroĂteilig oder mit hoher Bindungsneigung eines Gerbstoffes zur Hautsubstanz zu Ende fĂźhren/ausgerben. Dies geschieht, um eine Verstopfung der Eindringungswege der Wirkstoffe zu vermeiden und die Ausbreitung nachfolgender Gerbstoffe zu ermĂśglichen.cite-ref-19[19]
Wet Blue/Wet White
Als Wet Blue wird ein feuchtes chromgegerbtes Leder während des Verarbeitungsprozesses bezeichnet. Es ist in diesem Zustand bereits gegerbt; es fehlen noch die Neutralisation, Nachgerbung, Färbung, Fettung und Zurichtung. Der blau-grßne Farbton wird vom Chrom erzeugt.cite-ref-20[20] Mit synthetischen Stoffen gegerbtes Leder wird in dieser Phase Wet White genannt.cite-ref-21[21]
Crust/Borke
Crust- oder Borkeleder wird getrocknetes Wet Blue beziehungsweise Wet White Leder genannt, das noch keine Farbe oder Zurichtung erhalten hat.cite-ref-22[22]
Dicke des Leders
Leder kann vor und nach dem Gerben gespalten werden (Spaltleder). Der Narbenspalt ist allgemein der wertvollere Teil der Haut. Der Fleischspalt hat zwei raue Seiten und wird zu Veloursleder verarbeitet oder mit einer Beschichtung (Zurichtung, Zurichtmittel) als Ersatz fĂźr Narbenleder verwendet. Nicht gespaltenes Leder wird auch Vollleder genannt. Die genaue Dickenregulierung erfolgt nach der Gerbung durch âFalzenâ. Dabei werden durch rotierende Messerwalzen Falzspäne vom Leder abgetragen.
Nachgerbung, Färbung, Fettung
Grundlegende Ledereigenschaften wie Weichheit oder Fßlle entstehen durch die Arbeiten der Wasserwerkstatt und durch die Gerbung. Die Nachbehandlung mit Gerbstoffen (Nachgerbung), Farbstoffen und Fettungsmitteln legt die Eigenschaften fßr den speziellen Verwendungszweck des fertigen Leders fest. Insbesondere bei der Mineralgerbung bestimmen diese Arbeitsschritte die späteren Ledereigenschaften, dies sind vor allem Weichheit, Dehnbarkeit, Fßlle, Wasseraufnahme und Färbbarkeit.
Die natĂźrliche Farbe des Leders hängt vom Gerbmittel ab. In der Lohgerberei werden gelbliche und rĂśtlich-bräunliche TĂśne, in der Sumachgerbung gelbliche, grĂźnliche und bräunliche, in der WeiĂgerberei weiĂes, in der Chromgerbung blaugrĂźnes bis graues und mit Fettgerbstoffen gelbliches Leder erhalten. Zudem wird Leder oft gefärbt. Das Färben war bereits den Ăgyptern bekannt, wo das Leder noch kostspielig mit Purpurschnecken gefärbt wurde. Bis etwa 1860 war der Färber auf Naturrohstoffe angewiesen. Dabei spielten FarbhĂślzer, Wurzelextrakte sowie Pflanzensäfte eine groĂe Rolle. Auch Substanzen von Tieren und Flechten waren zum Lederfärben geeignet. Es werden viele verschiedene Färbesubstanzen eingesetzt, beispielsweise aus den Gruppen der Azofarbstoffe, Triphenylmethanfarbstoffe, Anilinfarbstoffe oder Sulfinfarbstoffe. Entsprechend ihrer Färbungsart wird zwischen sauren, substantiven und basischen Entwicklungsfarbstoffen unterschieden.
Die Färbung erfolgt hauptsächlich in der Flotte in Walkfässern, kann aber auch durch Spritzen, BĂźrsten oder auf Walzenauftragsmaschinen durchgefĂźhrt werden. Gefärbtes Leder ist entweder durchgefärbt oder oberflächengefärbt. Die verwendeten Farbstoffe gehen eine chemische Bindung mit dem Leder ein und beeinträchtigen nicht den natĂźrlichen Oberflächencharakter. Erhalten diese Leder keine oder nur eine geringe Beschichtung (Trockenzurichtung), werden sie mitunter als âRein-Anilinlederâ bezeichnet. Komplett anilingefärbtes Leder hat auf der Ober- und der Unterseite die gleiche Farbe, Kratzer oder Abnutzung fallen dadurch weniger auf. Stärker beschichtetes Leder wird als âSemianilinâ, oder wenn die Beschichtung mit deckenden Pigmenten versetzt ist, als gedecktes Leder bezeichnet. Diese Deckung lässt die natĂźrliche Narbung verschwinden und dient auch zum Kaschieren von ehemaligen Verletzungen des Tieres oder ungenĂźgender Weiterverarbeitung.
Oberflächenbehandlung
Durch die Oberflächenbehandlung der Narbenseite kann Leder bestimmte Effekte erhalten. Es kann glänzend oder matt werden. Auch die Widerstandsfähigkeit der Oberfläche kann wesentlich verbessert werden. Die Behandlung erfolgt hauptsächlich mit umweltfreundlichen, wasserverdĂźnnbaren Bindemitteln, Pigmenten und Additiven. Der Auftrag erfolgt in mehreren Schichten durch Spritzen, GieĂen oder Ăźber Walzenauftragsmaschinen (Rollercoaster). Die Schichten werden durch BĂźgeln, Polieren oder GlanzstoĂen geglättet und fest auf dem Leder verankert. Durch Krispeln, Prägen, Perforieren oder Chagrinieren kann dem Leder eine kĂźnstliche Oberflächenstruktur verliehen werden. Lackleder, bei dem ein Ăllack, ein Kaltlack oder ein Folienlack auf die Lederoberfläche aufgetragen wird, gehĂśrt mit zu den Veredelungen der Lederoberfläche. Wird die Fleischseite geschliffen und als sichtbare Oberfläche verwendet ist es Veloursleder. Bei Nubukleder wird die Narbenseite mit feinem Schleifpapier angeschliffen.
Lederdekoration
Leder in seinen vielschichtigen Anwendungsbereichen kann nach der Verarbeitung vielfältig dekoriert und geschmĂźckt werden. Leder kann bemalt, neu eingefärbt werden. Mit heiĂen Stempeln kann ein Muster im Blinddruck (Gaufrage) oder in Gold oder anderen Farben aufgebracht werden. Bei den Ăgyptern waren Verzierungstechniken wie Ausschneiden, Ritzen, Unterlegen, Flechten, Schneiden, Punzen, Sticken und andere Applikationen gebräuchlich. In der Buchbinderei wird die Technik des Lederschnitts verwendet. Leder kann durch Pressen und durch Druck reliefartig geformt werden.
Verwendung
Leder und Pelz gehÜren zu den ältesten von der Menschheit verwendeten Materialien, zusammen mit Holz, Stein und Wolle. Neben Schuhen und Lederbekleidung werden Erzeugnisse aus Leder als Lederwaren oder Portefeuilles bezeichnet. In der Geschichte wurde Leder auch fßr Waffen und Geräte verwendet. Verschiedene Holzgegenstände wurden mit Leder ßberzogen, wie Truhen und kleinere Kästen. Wßrfelbecher bestanden meist aus Leder, ebenso wie die ersten Eimer. Die nordamerikanischen Indianer verwendeten Leder fßr die Bekleidung, fßr Riemen aller Art oder als Zelt (Tipi), aber auch als Beschreibstoff (siehe unten).
Pergament ist eine bearbeitete, aber ungegerbte und unter Spannung getrocknete Tierhaut, die seit dem Altertum als Beschreibstoff verwendet worden ist. Es ist damit ein Vorläufer des Papiers. Lange vor der Erfindung des Pergaments wurde Leder in Form von Schriftrollen als Beschreibstoff benutzt.cite-ref-23[23] Nordamerikanische Indianerstämme verwendeten gegerbte BĂźffel- oder Hirschfelle als Beschreibstoff fĂźr Ideographische Bilderschriften, wie das Kekinowin der Ojibwa-Indianer, die zur groĂen Algonkin-Sprachfamilie gehĂśren. In der Buchbinderei diente einfaches Leder, neben der zu Pergament veredelten Tierhaut, von Anfang an als Material fĂźr Einbände und Einbandgestaltung. Der Buchbinder Ăźberzieht auĂerdem damit Kästen, Schuber, Etuis und Futterale. Leder wurde auch als Tapete (historisch auch Goldledertapeten) zur Wandgestaltung verwendet.
Leder wird nach der Fläche des Fells gehandelt. Die Ăźbliche MaĂeinheit sind Quadratmeter, die Einheit QuadratfuĂ wird noch verwendet. Ein QuadratfuĂ Leder sind 929 Quadratzentimeter.
Siehe auch
:
Lederkarte
Schuhe, Bekleidung und Accessoires
Der Ăźberwiegende Teil des weltweit produzierten Leders wird fĂźr Schuhe verwendet. FĂźr die Herstellung eines Schuhs sind verschiedene Lederarten mit unterschiedlichen Eigenschaften erforderlich, je nach Bauart des Schuhs sehr festes, verschleiĂfestes Sohlenleder, schweiĂbeständiges Brandsohlenleder, gut hautverträgliches Futterleder, festes, aber prägbares Rahmenleder und Leder fĂźr das Schuhoberteil, das als Oberleder bezeichnet wird und je nach Schuhart unterschiedliche Eigenschaften aufweist. Typische Lederarten fĂźr Oberleder sind: Kalbbox (Boxcalf), Rindbox, Chevraux (Ziegenleder), Hunting (Veloursleder aus Vollrind oder Kalb), Waterproof, Schuh- und Stiefelnappa. Teilweise finden (Ăźberwiegend fĂźr Schuhe des Luxus-Segments) auch exotische Lederarten fĂźr das Obermaterial Verwendung, beispielsweise Reptilleder fĂźr Westernstiefel.
Bei der Herstellung von Kleidung wird Leder vor allem in drei Bereichen genutzt: Erstens im Sektor Mode und Alltagsbekleidung, daneben gibt es den Bereich der Schutz-, Berufs- und Funktionskleidung aus Leder und schlieĂlich Kleidung, die in den BDSM- und Fetisch-Szenen (siehe beispielsweise Lederszene) Verwendung findet. Im Bereich von Kleidermode und Alltagskleidung haben sich insbesondere Lederjacken etabliert. Aber auch Lederhosen sind Bestandteil der Alltagskleidung geworden, in den 1950er Jahren bekamen sie eine Zeit lang den Status aufmĂźpfiger Jugendbekleidung. Vor allem in Bayern und Ăsterreich ist die spezifische Lederhose ein wesentlicher Bestandteil traditioneller Trachten. Lederhosen im Jeans-Schnitt oder im Schnitt klassischer Anzughosen waren in der Mode der 1980er Jahre angesagt. Lederhosen in Jeans-Schnitten, zum Teil mit SchnĂźrungen sind in der Biker- und Heavy-Metal-Szene Ăźblich. Im Bereich Funktions- und Berufskleidung sind Jacken wie Fliegerjacken und Motorradkleidung, aber auch SchĂźrzen oder Helme zu nennen. Es lässt sich nahezu jedes KleidungsstĂźck auch aus Leder herstellen (Jacken, Hosen, Mäntel, Handschuhe oder HĂźte).
Weit verbreitete Accessoires aus Leder kÜnnen sein: Taschen, Handtaschen, GeldbÜrsen (siehe auch Geldkatze) oder Portemonnaies, Koffer, Kästen, Schmuckkästen, Etuis, Gßrtel und Hßte. Leder wird in Form von Lederschnßren als Schmuckkette mit Anhänger, als Lederarmreif oder als Haarschmuck angeboten.
Sonstige Lederprodukte
Bei der Produktion von MĂśbeln und in der Innenraumgestaltung bzw. Raumausstattung wird Leder vor allem als Bezug fĂźr Sitz- und PolstermĂśbel verwendet, wie fĂźr Ledersofas und Ledersessel. Teilweise â aber seltener â als Verkleidung oder Bespannung von Wänden oder anderen MĂśbeln (Schränke, Schreibtische etc.)
Analog dazu findet sich das Material in der Innenraumgestaltung von Autos und anderen Fahrzeugen. Hier kÜnnen wieder vorrangig Ledersitze, aber auch Lenkrad- und Cockpitverkleidungen sowie die Verkleidung anderer Innenflächen in Autos, Bahnen und anderen Verkehrsmitteln mit geschlossenem Fahrgastraum genannt werden. Die Verwendung und Nachrßstung mit Leder als Innenraummaterial oder fßr Ledersitze gilt als hochwertiges Ausstattungsmerkmal (siehe dazu: Fahrzeugtuning). Beim Fahrrad kann die Sitzfläche des Sattels mit Leder bezogen sein oder vollständig aus Leder bestehen.
Im Sportbereich wird Leder vor allem fĂźr ĂberzĂźge von Bällen (FuĂball, Handball, Medizinball) oder Sportgeräten (BĂścke) eingesetzt, zusätzlich fĂźr Sportgeräte wie den Boxsack, Boxhandschuhe, Knieschoner und Sportbekleidung sowie Sportschuhe. Geradezu stellvertretend fĂźr den Ausdruck âBallâ wird âdas Lederâ gebraucht.
Schon frĂźh wurde Leder fĂźr Transmissionsriemen, Treibriemen und Ăhnliches verwendet. Auch der Blasebalg wurde teilweise aus Leder hergestellt. Vor der Verwendung von Kunststoffen wurde Leder zur Isolierung von elektrischen Kabeln eingesetzt. Auch als Dichtung, als Putz-, Wasch- und Filtrierleder wird Leder verwendet. Ein historisches Beispiel fĂźr die Verwendung von Lederriemen ist das Bandalier (OberkĂśrpergĂźrtel).
Leder wurde als Fixierungsmaterial in der Medizin und als Material von Hilfsmitteln in der Orthopädie genutzt, frßher auch als Verbandsmaterial.cite-ref-24[24]
Im Musikinstrumentenbau kommt Leder in besonderen Fällen zum Einsatz. So verwendet der Orgelbauer Leder bei festen wie beweglichen Teilen als Dichtung, im Klavierbau wird Leder in den Anschlagsmechaniken verwendet. Die Polster in den Klappen von Blasinstrumenten waren frßher und sind teilweise noch aus Leder.
Leder ist der ßberwiegende Bestandteil von Sätteln und Geschirren fßr Pferde und Ochsen in Reitsport und Landwirtschaft. Aber nicht nur fßr Arbeitstiere werden Lederriemen verwendet, sondern auch fßr Hundehalsbänder oder Hundeleinen. Peitschenschläge werden meistens aus Lederschnßren hergestellt.
Die rÜmischen Soldaten trugen teilweise unter dem Schienenpanzer oder Kettenhemd eine Art Polsterweste aus Leder, die an Schultern und Unterkante mit Lederstreifen verziert war. Die Militärstiefel der rÜmischen Armee wurden fßr Hßllen verwendet, die während des Marsches ßber die Schilde gezogen wurden, um diese vor Feuchtigkeit und Beschädigungen zu schßtzen. Leder wurde fßr die Pfeil-KÜcher der Bogenschßtzen gebraucht, fßr Pistolen-Holster oder Scheiden fßr Messer.
In Berufen, die mit Klingen schneiden, wurden oder werden mitunter noch kräftige Rinds-Glattlederstreifen zum zwischenzeitlichen Glätten der Schneide verwendet, entweder als in der Hand zu haltendes Werkzeug (Barbier, Friseur) oder auf der Arbeitsplatte befestigt (Kßrschner).
Kulturelle Bedeutung
Siehe auch
:
Lederszene
DarĂźber hinaus hat Leder Bedeutung und Verwendung in der Fetischszene und im BDSM. Ledersitze, beispielsweise in Personenkraftwagen, konnotieren oft Luxus.
Materialbezogene Berufe
Zu den zahlreichen lederverarbeitenden Handwerksberufe gehĂśren, neben anderen, die Täschner oder Ăśsterreichisch Taschner, Feintäschner, Gerber, Punzer, Buchbinder, KĂźrschner, Riemer, Sattler, Schuster, Orthopädiemechaniker oder Schuhmacher. Im Mittelalter waren Lederberufe in ZĂźnften organisiert, wie Lederer, sowie WeiĂ- und Rotgerber und Corduanmacher. Weitere eher historische Berufsbezeichnungen sind: Beutler, Futteralmacher und Pergamenter. Ein relativ neuer Beruf, der sich auch mit Leder beschäftigt, ist der Restaurator, insbesondere der Buchrestaurator und der Restaurator archäologischer Funde.
Lederbezeichnungen
Nach Herstellung
Gerbverfahren
⢠Alaungegerbtes Leder wurde mit Aluminiumsalzen gegerbt (WeiĂgerberei).
⢠Pflanzlich gegerbtes Leder wird fßr die Herstellung von hochwertigen Sohlenledern durchgefßhrt. Sie ist eine reine Vegetabilgerbung und es dßrfen nur gemahlene Gerbmittel (Rinden, Blätter, HÜlzer und Frßchte) und keine Gerbextrakte verwendet werden. Die Gerbdauer beträgt bis zu zwÜlf Monate.
Juchtenleder ist russischen Ursprungs. Mit jufte (âPaarâ) wird die Herstellungstechnik beschrieben. FĂźr die Gerbung wurden immer zwei Häute des sibirischen Steppenrinds zusammengeheftet, mit Weidenrinde pflanzlich gegerbt und mit BirkenteerĂśl imprägniert und rĂśtlich gefärbt. Es ist geschmeidig und haltbar.
⢠Chromleder wurde 1858 erfunden und wird mit dreiwertigen Chromsalzen gegerbt.
⢠Sämischleder ist eine Ledersorte, welche nur mittels Fett (ursp. Waltran) gegerbt wird. Als Rohmaterial wurden Häute von Gämsen, Rehen, Hirschen, Rentieren, Ziegen, Schafen, Kälbern und Rindern verwendet. Es wird ßberwiegend als Waschleder und Fensterleder eingesetzt.
⢠Schrumpfleder zeigt eine stark strukturierte Narbenschicht. Die Struktur entsteht durch eine spezielle Gerbung und ist wesentlich beständiger als bei geprägten Ledern. Es wird fßr Schuhe, Taschen und Koffer verwendet.
Verwendeter Teil der Rohhaut
⢠Spaltleder wird durch Spalten gewonnen. Es wird zwischen Narbenspalt und Fleischspalt unterschieden. Ersteres besteht aus Papillar- und Retikularschicht und hat eine glatte Oberfläche. Zweiteres besteht nur aus Retikularschicht. Die glatte Oberfläche wird bei Fleischspalten oft durch Beschichtungen mit Folien oder Polymeren nachgebildet.
⢠Vollleder sind die nach der Haarseite gelegenen oberen Teile der Haut, die durch Bearbeitung von der Fleischseite her auf die erforderliche Stärke gebracht worden sind.
⢠Unter dem Begriff Rohhaut ist eine weitgehend unbehandelte, enthaarte Haut im Handel, die fßr Spezialzwecke wie Zaumzeug, Trommeln, Bogenwaffen oder Hundeknochen genutzt werden.
Kernleder
Kernleder oder auch Croupon wird aus dem Kernbereich der Rohhaut gewonnen. In den der Wirbelsäule nahen Partien ist die Haut am dicksten. Wenn es auf besondere Festigkeit ankommt, wird daher Kernleder bevorzugt.
Nach Herkunft der Haut
⢠Känguruleder
⢠Krokodilleder
⢠Lammleder
⢠Rindsleder, Kalbsleder
⢠Hirschleder
⢠Pferdeleder
⢠Schlangenleder
⢠Schweinsleder
⢠Seehundleder
⢠StrauĂenleder
⢠Yakleder
⢠Ziegenleder, Zickelleder (vom Zicklein)
Nach Oberflächenbehandlung
⢠Anilinleder hat eine dßnne Zurichtschicht, die natßrliche Struktur des Leders ist hierbei gut zu erkennen, da es sich lediglich um eine Farbkorrektur mit Flßssigstoffen handelt. Frßher wurden gesundheitsschädliche Anilinfarbstoffe verwendet, die stattdessen durch flßssige Metallkomplexfarbstoffe mit sehr ähnlichen Eigenschaften ersetzbar sind.
⢠Chagrin ist ein Pressnarbenleder. Zur Herstellung einer Pressnarbe wird die Ursprungsnarbe abgeschliffen und ein neuer Narben aufgepresst (âchagrinierenâ). FrĂźher wurde es aus dem Leder des Pferde- oder EselrĂźckens gewonnen, es kann aber auch aus Hai- oder Rochenhaut hergestellt werden. Es handelt sich meistens um ein chromgegerbtes Rind- oder Mastkalbleder mit Pressnarben und Deckfarbenzurichtung.
⢠Farbleder
⢠Hßhnerleder stammt nicht von Hßhnern, sondern bezeichnet ein feines Schaf- oder Ziegenleder.
⢠Knautschlack ist ein Leder, das mit einer wasserunlÜslichen Lackschicht bedeckt ist. Es handelt sich hierbei meist um Spaltleder, welches weich und flexibel ist.
⢠Lackleder ist mit einer dicken Lackschicht bedecktes Leder und weist daher keinerlei Naturmerkmale mehr auf. Diese Art der Lackbekleidung ist fest und praktisch ohne Dehnung, wasserdicht und leicht zu reinigen.cite-ref-25[25]
⢠âKĂźhlendes Lederâ. Speziell gegerbtes Leder, das sich im Gegensatz zu herkĂśmmlichem Leder in der Sonne nicht so stark aufheizt, weil Farbpigmente das Sonnenlicht reflektieren.
⢠Nubukleder entsteht, wenn die Oberfläche von Rinds- oder Kalbleder angeschliffen wird, so dass eine feine, samtartig aufgeraute Struktur entsteht. Der Narben ist rein und fehlerfrei. Die BlĂśĂen werden chromgegerbt und tief eingefärbt. Mit der Hand Ăźber das Leder streifend, ergibt sich wie bei Samt ein Strich. Nubuk ist eine typische Raulederart.cite-ref-josephine-barbe-2007-26-0[26]
⢠Rauleder ist ein Sammelbegriff fßr Ledersorten mit aufgerauter Oberfläche, die auf der Fleisch- oder der Narbenseite geschliffen werden. Unterschieden wird: narbenseitig bearbeitetes Leder wie Nubuk, fleischseitig bearbeitetes Leder wie Ziegenvelours, narben- und fleischseitig bearbeitetes Leder wie Schweinsleder und Wildleder sowie Spaltrauleder.cite-ref-josephine-barbe-2007-26-1[26]
⢠Schleifbox ist ein Rindleder, dessen fehlerhafte Narben angeschliffen werden und bei dem durch eine relativ dicke Zurichtung kĂźnstliche Narben nachgebildet werden, um eine sehr hohe Glätte zu erhalten. Diese Leder werden fast immer mit einer Narbenimprägnierung hergestellt, da die Zurichtung sehr fest anliegen soll und sich beim Biegen der Leder nicht abheben oder kleine Falten werfen soll. Narbenimprägnierung heiĂt, dass in die Lederoberfläche Bindemittel eingelagert werden, die die Beweglichkeit der Lederfasern sehr stark verringern. Erst im Anschluss daran wird die Zurichtung aufgetragen.cite-ref-27[27] Schleifbox wird hauptsächlich fĂźr Schuhe und Taschen verwendet.
⢠Veloursleder hat eine raue, samtige Oberfläche. Sie wird von der Retikularschicht gebildet, die mehr oder weniger fein geschliffen wird. Veloursleder wird hauptsächlich aus Schweins- oder Rindshäuten, Schaf-, Ziegen- oder Kalbfellen hergestellt. Werden Fleischspalte von Rindern oder Kälbern verwendet, ist es Spaltvelours.
⢠Waterproof sind meist Rindsleder mit Chromgerbung, die durch eine spezielle Behandlung (âHydrophobierenâ) eine geringe Wasseraufnahme und eine gute Wasserdichtigkeit zeigen. Sie werden hauptsächlich fĂźr schwere Schuhe (Bergschuhe, Militärschuhe, Arbeitsschuhe) oder Motorradbekleidung verwendet.
Nach Verwendungszweck
⢠Sattler- und Täschnerleder
⢠Geschirrleder. Geschwärztes oder naturelles, stärker gefettetes Blankleder.
⢠Feinleder. Sammelbezeichnung fßr die in der Feintäschnerei verarbeiteten Lederarten.
⢠Schuhunter- und Schuhoberleder
⢠Sohlleder. Dickes, wenig biegsames Leder pflanzlicher Gerbung, meist Rindsleder
⢠MÜbelleder und Autoleder
⢠Bekleidungs- und Handschuhleder
⢠Buchbinderleder
⢠Futterleder
⢠Pumpenleder
⢠Technische Leder
FĂźr die folgenden Ledersorten steht deren Verwendung im Vordergrund.
⢠Blankleder ist ein pflanzlich gegerbtes, leicht gefettetes naturelles oder gefärbtes Rindleder mit gleichmäĂigem Aussehen in Faserstruktur und Dicke fĂźr Sättel, Taschen und Reitzeug.
⢠GlacÊleder besteht meist aus Lamm-, Zickel- oder Kalbleder. Es ist sehr weich und durch eine besondere Behandlung waschbar. Wegen seiner Weichheit und Zugfähigkeit eignet es sich besonders fßr Handschuhe.
⢠Mochaleder oder Mochetto sind auf der Narbenseite geschliffene tuchartig zugerichtete Lamm- und Zickelfelle oder Kalbfelle. Sie gehÜren zu den teuersten, weichsten und haltbarsten Handschuhledersorten.
⢠Oasenziege ist ein Buchbinderleder, hergestellt aus den Häuten der Sudanziege in Zentralafrika.
⢠Vacheleder ist ein flexibles Sohlenleder, das aus Kuhhäuten hergestellt wird. Es werden in der Herstellung Gerbstoffe verwendet, die eher weiche Leder ergeben. Vacheleder werden zudem leicht gefettet. Es wird unterschieden in Schnittervache (kräftiges Sohlleder, welches nach dem modernen Gerbverfahren hergestellt wird), Nagelvache (ein etwas steiferes Sohlleder), Nähvache (biegsam und etwas weicheres Sohlleder) und Flexibelvache (sehr weiches Sohlleder, Verarbeitung durch Verkleben).
Sonderbezeichnungen
⢠EcrasĂŠleder werden aus Kapziegen- oder Kalbhäuten hergestellt. Es zeichnet sich nach der Färbung durch kleine, helle âĂderchenâ aus.
⢠Nappaleder ist sehr weich und flexibel und wird fßr GeldbÜrsen und andere Lederwaren verwendet. Es wird aus Lamm-, Zickel- oder Kalbleder hergestellt. Nappaleder hat noch die natßrliche Oberfläche, auf der einstmals die Haare gesessen haben. Diese Oberfläche ist nicht abgeschliffen.
⢠Walknappaleder ist wie Nappaleder sehr weich, aber glänzt auf Grund seiner Behandlung weniger.
⢠Wildleder wird noch gelegentlich als Bezeichnung fĂźr angeraute Leder benutzt, richtiger und mittlerweile gebräuchlicher ist Veloursleder. Tatsächliches âWildâleder stammt von Gämsen, Rehen, Hirschen, ostindischen Ziegen, Antilopen, Gazellen, Elchen oder Rentieren. Es wird hauptsächlich sämisch gegerbt, der Narben wird vollständig abgestoĂen.
Lederkonservierung
Schäden
Leder kann â wie jedes Material â durch eine konstante Nutzung geschädigt werden. Dazu gehĂśren Schäden wie Einrisse, Abrieb, Flecken, Wasserränder usw. Oft finden sich bei Ledern Risse in der Oberfläche, die durch eine zu hohe Trockenheit oder auch einen zu hohen Fettgehalt im Leder ausgelĂśst worden sein kĂśnnen. Schuhe kĂśnnen, abgesehen von der täglichen Beanspruchung, auch durch den FuĂschweiĂ geschädigt werden. Um dieses zu vermeiden, wird Leder verwendet, das schweiĂbeständiger ist. Witterung (Regen, Schnee, Sonne und Wind) kann auf Dauer schädigend auf Gegenstände und Kleidung aus Leder einwirken. Durch regelmäĂige Lederpflege wird Schäden vorgebeugt.
Das gegerbte Leder kann im Laufe der Zeit Ăźbersäuern. Die entstehende Säure baut das Leder ab. Dieser Prozess wird durch schwefelhaltige Substanzen in der Luft begĂźnstigt, wie sie durch eine Gasbeleuchtung entstehen. In der Vergangenheit war das etwa in Bibliotheken häufig der Fall, so dass dieses Phänomen eine eigene Bezeichnung erhielt: im Englischen wird es als red rot, im Deutschen auch als Roter Zerfall bezeichnet. Das Leder wird durch die Bindung von Feuchtigkeit und Schwefeldioxid Ăźber die Entstehung Schwefliger Säure komplett zerstĂśrt und die Oberfläche zerfällt zu Pulver. Dieser Prozess resultiert bei gleichzeitiger geringer Luftfeuchtigkeit (kleiner als 40 Prozent) Ăźber einen längeren Zeitraum in einem trockenen, irreversiblen Schaden der Faserstruktur des Leders. Es werden verschiedene Hausmittel empfohlen, besser ist es jedoch, einen fachkundigen Restaurator zu konsultieren. Bei nicht-ausreichender Neutralisation der Säuren aus dem Gerbungsprozess kann das Kollagen im Leder hydrolysieren, wodurch nach wenigen Jahren die Haut zerfallen kann. Daneben kĂśnnen Reste von biologischen Fetten ranzig werden und langfristig zum FettfraĂ fĂźhren. DarĂźber hinaus kĂśnnen verschiedene Arten der Speckkäfer (Gemeiner Pelzkäfer, Brauner Pelzkäfer) zu FraĂschäden fĂźhren. Bei zu feuchter Lagerung kĂśnnen verschiedene Schimmelpilze und Bakterien zu einer Zersetzung fĂźhren.
Lederaufbereitung/Lederrestaurierung
Leder lässt sich restaurieren, es gibt verschiedene Arten von Beschädigungen. Wenn Leder mit zunehmendem Alter brĂźchig geworden ist oder wenn sogar Lederteile verloren gegangen sind, kĂśnnen auch umfangreiche Reparaturen vorgenommen werden. Es gibt verschiedene Hilfsmaterialien, um Beschädigungen zu beseitigen. Ein sogenanntes FlĂźssigleder wird bei Beschädigungen der Oberfläche aufgespachtelt. Durch vorheriges Abformen an anderer Stelle und Ăbertragen auf die Reparaturfläche kann dabei auch die Oberflächenstruktur rekonstruiert werden.
Um Leder strapazierfähiger, fleckenunempfindlich und dauerhaft wasserabweisend zu machen, wird auf mit Anilinfarben vorgefärbte Glattleder eine auf Pigmenten und Bindemitteln basierende, deckende Farbschicht aufgetragen. Diese Farbschicht heiĂt auch Kopffärbung, Zurichtung oder Pigmentierung. Glatte Motorradleder, aber auch viele Freizeitjacken, Schuhe, Auto-, MĂśbelleder und Taschen aus Glattleder haben diese zusätzliche Farbschicht. Auf diese Schicht wird zusätzlich noch der Top Coat, eine Art Klarlack, aufgetragen. Der Top Coat schĂźtzt die Bindemittelfarbe vor Abrieb und Abfärbung und bestimmt den Glanzgrad und den Griff. Vernetzer sorgen als Additive fĂźr verbesserte Echtheiten.
Lederpflege
â
Hauptartikel
:
Lederpflege
Leder sollte einen Wassergehalt von 14 bis 18 Prozent haben. Mit zunehmendem Fettgehalt nimmt der Wassergehalt des Leders ab. Durch den Wassergehalt des Leders werden ReiĂfestigkeit, Griff, Stand, Gewicht und Elastizität stark verändert. Der Naturfettgehalt der Haut liegt bei 1 Prozent. Nur Schaffelle weisen bis zu zwĂślf Prozent Naturfettgehalt auf. Wie der Wassergehalt, so beeinflusst auch der Fettgehalt die Eigenschaften des Fertigleders, wie Elastizität, ReiĂfestigkeit, WasseraufnahmevermĂśgen sehr stark. Daher muss bei wertvollen Objekten mit Lederpflegemitteln vorsichtig umgegangen werden â im Zweifelsfall sollte auf jeden Fall ein Fachmann (Lederrestaurator) zu Rate gezogen werden.
Schuhe
Schuhe unterliegen vergleichsweise sehr hohen Belastungen durch äuĂere EinflĂźsse wie Schmutz (= schmirgelnde Reibung), Nässe (= Gefahr des Auswaschens von Fettungs- und Farbstoffen), Reibung und StĂśĂen der Oberfläche (= mechanische Beschädigung), wie sie im Alltagsgebrauch nicht zu vermeiden sind. Zusätzlich wird das Leder durch FuĂschweiĂ, Zug, Druck und Walkbewegungen ständig beansprucht. Oft kommen noch chemische EinflĂźsse aus den Strumpfmaterialien oder Waschmittelreste hinzu. Deshalb erfordern Lederschuhe eine regelmäĂige Pflege.
Die Pflege von Glattlederschäften besteht darin, dass nach einer grĂźndlichen Reinigung der Oberfläche eine Schuhcreme dĂźnn aufgetragen wird und abschlieĂend poliert wird. Dadurch entsteht ein weitgehend geschlossener Schutzfilm, der besonders bei Verwendung einer Hartwachscreme (Dosencreme) das Oberleder optimal schĂźtzt, glänzt und eine Neuanschmutzung erschwert. Bei sehr stark beanspruchten Schuhschäften (Arbeitsstiefel, Bergschuhe usw.) ist der fĂźr chromgegerbte Schäfte normaler Alltagsschuhe ausreichende Schutz durch Hartwachscreme nicht zufriedenstellend. HierfĂźr gibt es deshalb spezielle Pflegemittel, wie Fettwachse, Lederfette und andere.
Schuhe aus Rauleder (Velours und Nubuk) haben sehr offenporige Schäfte und erfordern deshalb regelmäĂiges grĂźndliches AusbĂźrsten, um den eingedrungenen Staub zu entfernen. Gelegentliches Imprägnieren mit ImprägnierflĂźssigkeiten oder -sprays verhindert ein vorzeitiges Neuanschmutzen und sorgt in einem gewissen Grad fĂźr einen Wasser abstoĂenden Effekt. Ledersohlen kĂśnnen durch spezielle LedersohlenĂśle gepflegt werden. Damit wird der Abrieb verringert, und es entsteht eine zusätzliche Hydrophobierung.
Werden durchnässte Schuhe durch Wärme (Strahlung oder warme Luft) beschleunigt getrocknet, besteht die Gefahr eines irreversiblen chemischen Umbaus der Lederfaser. In der Folge verhärtet das Leder, wird sprĂśde und reiĂt oder bricht leicht. Das gilt sowohl fĂźr Lederschäfte (besonders gefährdet: vegetabil gegerbte Leder) wie fĂźr Ledersohlen. Deshalb werden durchnässte Schuhe nur mit Zeitungspapier ausgestopft, das die Feuchte aufsaugt und regelmäĂig ausgetauscht wird. Dabei ist der Schuh am besten von allen Seiten von Luft umspĂźlt (beim Vorhandensein von Ledersohlen gar durch Aufhängen an eine Wäscheleine). Um den Verlust der Passform zu vermeiden, wird gegen Ende der Trocknungsphase in den noch leicht feuchten Schuh ein passender Schuhspanner eingelegt.
Bekleidung und Accessoires
Die Reinigung der Bekleidung gehÜrt in die Hände eines Fachmanns, wo sie meist mit organischen LÜsungsmitteln durchgefßhrt wird. Nappaleder ist, da es eine in sich geschlossenere Oberfläche hat, besser gegen Schmutz, Wasser und Staub geschßtzt.
Handschuhe aus GlacÊleder kÜnnen mit Waschbenzin gereinigt werden. Handschuhe aus Nappaleder, Schweinsleder und Wildleder kÜnnen mit weichen Waschmitteln oder Spezialwaschmitteln gewaschen werden. Sie werden dann in angezogenem Zustand gewaschen, danach werden sie aufgeblasen und langsam getrocknet. Durch Glattziehen erhält der fast trockene Handschuh seine ursprßngliche Form wieder, durch Knautschen und Dehnen kann er wieder so weich wie vorher werden.
LedermĂśbel
LedermÜbel kÜnnen mit Hilfe eines weichen, ggf. leicht feuchten Lappens gereinigt werden. Fßr stärkere Verschmutzungen stehen entsprechende Lederreiniger zur Verfßgung, die bei pigmentierten Lederarten bedenkenlos verwendet werden kÜnnen. Die Verwendung von Lederpflegemitteln ist jedoch bei einigen Lederarten wie Nubukleder als problematisch einzustufen. Es sollte in jedem Fall ein Fachmann aufgesucht werden, der sich auf die Reinigung und Restaurierung mit original Gerbereiprodukten spezialisiert hat.
Lederaufbewahrung
Wertvolle Lederobjekte sollten sorgfältig aufbewahrt werden. Dazu gehÜrt ein Schutz vor der energiereichen Sonnenbestrahlung, vor Staub, Schmutz und Nässe, fßr Kleinlederwaren beispielsweise in einem Stoffbeutel. Fßr Museen wird fßr die Lederkonservierung eine mittlere, mÜglichst konstante Temperatur und 45 bis 55 Prozent relative Luftfeuchtigkeit empfohlen. Eine hÜhere Feuchte fÜrdert die Schimmelbildung, bei zu niedriger Feuchtigkeit ist das Leder brßchig. Ein angemessener Luftaustausch sollte bei der Lagerung gewährleistet sein.
Ist das Lederobjekt bereits geschädigt, brßchig, eingerissen, abgerieben, verzogen oder mit Schimmel ßberzogen, sollte ein ausgebildeter Restaurator hinzugezogen werden.
Kritik
Leder kann als nachhaltig angesehen werden, insofern immer wieder neue Tiere gezĂźchtet werden kĂśnnen. Das ist ein bedeutender Unterschied etwa zu Plastik, das aus ErdĂśl hergestellt wird. Allerdings ist die Massentierhaltung nur durch einen enormen Ressourcenverbrauch mĂśglich: Abgesehen vom Wasserverbrauch werden groĂe Flächen zum Anbau von Tierfutter benĂśtigt usw.cite-ref-30[30]
Leder ist (anders als Pelz) meistens ein Nebenprodukt der Massentierhaltung,cite-ref-1-31-0[31] die in erster Linie fĂźr die Fleischgewinnung und Milchgewinnung existiert. So gesehen werden keine zusätzlichen Ressourcen fĂźr das Leder aufgewendet, sondern vielmehr die anfallenden Kadaver besser genutzt.cite-ref-1-31-1[31] Umgekehrt jedoch bedeutet die Nutzung von Leder, dass sich die Massentierhaltung fĂźr die Unternehmer kommerziell noch mehr lohnt.cite-ref-2-32-0[32] Leder ist tatsächlich nicht Abfall oder Nebenprodukt, sondern âfester Bestandteil des Geschäftsmodells der Landwirteâ, so die Vogue.cite-ref-3-33-0[33]
Manche Tiere werden hauptsächlich wegen ihrer Haut gezßchtet oder in der Natur gejagt. Das sind zum Beispiel Krokodile, Eidechsen oder Schlangen. Das kann dramatische Folgen fßr den Bestand einer Art haben.
Ohne Gerbung gibt es kein Leder. Manche Verfahren verwenden Chemikalien, die schädlich fĂźr die Umwelt sind, nicht zuletzt, wenn sie falsch entsorgt werden. In Deutschland gibt es zwar strenge Kontrollen,cite-ref-2-32-1[32] doch das meiste Leder wird billig in Asien (China, Bangladesh, Indien) hergestellt.cite-ref-1-31-2[31] Wer dort in der Produktion arbeitet, leidet häufig an Erkrankungen der Haut und Atemwege. Abwässer mit Chemikalien vergiften auĂerdem oft Ăźber FlĂźsse die Bewohner vor Ort.cite-ref-0-29-1[29]
Lederwaren kĂśnnen bei guter Pflege sehr lange genutzt werden, so dass seltener neue gekauft werden mĂźssen, und Leder ist biologisch abbaubar.cite-ref-1-31-3[31]cite-ref-0-29-3[29]cite-ref-3-33-1[33] Das kann aber wegen der Gerbung relativ lange dauern (das ist der Zweck der Gerbung). Bis Leder sich abbaut, dauert es vierzig bis fĂźnfzig Jahre.
Alternativen zu Leder
Die Ledergewinnung ist aufwändig und teuer; ferner gibt es Ăśkologische und andere Bedenken. Teilweise wĂźnscht man sich andere Eigenschaften des Werkstoffs: Optik, Haptik, weniger Abrieb, Wasserundurchlässigkeit. Alternativen zu âechtemâ Leder (Tierleder) haben viele verschiedene Bezeichnungen: Kunstleder, Lederimitat, PU (Polyurethan) Leder, pleather, vegan leather usw.
Bonded Leather wiederum sind Materialien aus kleinsten Lederpartikeln, die mit Bindemitteln zusammengefĂźgt worden sind.
Kunstleder besteht meistens aus Kunststoff wie PVC. Manche dieser Produkte werden aus recycleltem Kunststoff hergestellt. PVC oder Polyurethan sind nicht abbaubar.cite-ref-1-31-4[31]
Andere Materialien hingegen sind pflanzlicher Natur, wie Ananasleder aus Blättern von Ananaspalmen, Apfelleder aus Resten von Ăpfeln sowie einem Plastikanteil, Korkleder aus der Rinde von Korkeichen, Papierleder aus Papier und Kunststoff u. a. Die Nachhaltigkeit, Umwelt- und Sozialverträglichkeit ist unterschiedlich zu beurteilen.
Als Nachteil vieler pflanzlicher Produkte wird gesehen, dass sie nicht so widerstandsfähig wie Tierleder sind.cite-ref-1-31-5[31] Sie sind wenig haltbar und kommen meist nicht ohne synthetische Bindemittel oder zusätzlichen Kunststoff aus, so Textilexperte Kai Nebel (Hochschule Reutlingen). Seiner Meinung nach ist das eigentliche Problem der Ăberkonsum; nachhaltig ist es vor allem, Gebrauchtes wiederzuverwenden.cite-ref-2-32-2[32]
Museen
Deutschland
⢠Calw (Nordschwarzwald): Gerbereimuseum (WeiĂgerberei Balz)
⢠Doberlug-Kirchhain (Landkreis Elbe-Elster, Brandenburg): WeiĂgerbermuseum Doberlug-Kirchhain
⢠Enger (NRW, Kreis Herford): Gerbereimuseum Enger
⢠Mßlheim an der Ruhr: Leder- und Gerbermuseum
⢠Offenbach am Main: Deutsches Ledermuseum
⢠Ohrdruf (Thßringen): Alte Gerberei (Ohrdruf)
⢠Weida (Thßringen): Lohgerberei in Weida (Technisches Schaudenkmal)
Ăsterreich
⢠Eisenerz (Steiermark): Gerbereimuseum Gerberei Salzer
Italien
⢠Bosa (Sardinien): Museo delle conce (Leder- und Gerbereimuseum)
Literatur
⢠Rainer Atzbach: Leder und Pelz am Ende des Mittelalters und zu Beginn der Neuzeit. Die Funde aus den Gebäudehohlräumen des Mßhlberg-Ensembles in Kempten (Allgäu). Bamberger Schriften zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 2. = Mßhlbergforschungen 1, Bonn 2005.
⢠Hans Herfeld (Hrsg.): Bibliothek des Leders. 10 Bände. Umschau Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-524-82004-2.
⢠Gerhard E. Moog: Der Gerber. Eugen Ulmer KG, Stuttgart 2005, ISBN 3-8001-1228-0.
⢠Hans Hegenauer: Fachkunde fßr Leder verarbeitende Berufe. Verlag Ernst Heyer, Essen 2001, 8. Auflage, ISBN 978-3-920454-23-8.
⢠Werner Schmitzer: Lederrestaurierung. Tips fßr Sammler. Deutsches Ledermuseum/Deutsches Schuhmuseum, 4. Aufl., 1991.
Weblinks
Commons
: Leder
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiquote: Leder
â Zitate
Wiktionary: Leder
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Geschichte des Leders im Netzauftritt des Verbandes schweizerischer Gerbereien
⢠Lederpedia.de, umfangreiches fachspezifisches Wiki
⢠Lederlexikon
⢠Verband der deutschen Lederindustrie e. V.
⢠umfangreiches Kompendium zur Lederherstellung
Einzelnachweise
cite-note-11. â K. GĂźnter Rordorf: Kleine Leder- und Pelzkunde, Leder- und Pelzreinigung. Bussesche Verlagshandlung, Herford, 2. erweiterte Auflage 1963, S. 7â8.
cite-note-vddl-22. â Sonja Langer-Korsch: Lederbekleidung im Verkauf. Nachschlagewerk fĂźr Lederbekleidung. Verband der Deutschen Lederbekleidungsindustrie, MĂźnchen 1981, S. 75.
cite-note-33. â Josephine Barbe: Leder â Geschichte, Techniken, Projekte. Bern 2007, S. 42.
cite-note-44. â Josephine Barbe: Leder â Geschichte, Techniken, Projekte, Bern 2007, S. 40.
cite-note-55. â Karlheinz Fuchs, Manuel Fuchs, Leo Derichs: Faszination Leder: Alltägliches und Exotisches unter der Lupe, Frankfurt 2008, S. 182.
cite-note-66. â Đван ĐŻĐşĐžĐ˛ĐťĐľĐ˛Đ¸Ń ĐавНОвŃĐşŃĐš: Đ ŃŃŃкО-нѣПоŃĐşŃĐš ŃĐťĐžĐ˛Đ°Ń Ń / Đ. ĐŻ. ĐавНОвŃĐşŃĐš. 3. Auflage. Đ. ĐиППоНŃ, 1900, S. 1770 (google.de [abgerufen am 30. Januar 2019]): âdas von einem unausgewachsenen Rind, das Leder zwischen Kalbs- und Rindlederâ
cite-note-77. â K. Fuchs, M. Fuchs, L. Derichs: Faszination Leder â Alltägliches und Exotisches unter der Lupe. 2008, S. 31.
cite-note-88. â Josephine Barbe: Leder Geschichte, Techniken, Projekte, Bern 2007, S. 44.
cite-note-99. â The Pros and Cons of Kangaroo Leather (engl.) Stride Wise, aufgerufen am 18. Februar 2022
cite-note-1010. â Ăkologisches Ungleichgewicht. Auch Kängurus kĂśnnen in Australien zum Problem werden Der Standard, aufgerufen am 18. Februar 2022
cite-note-1111. â Exporting kangaroo meat Department of Agriculture, Water and the Environment, aufgerufen am 18. Februar 2022
cite-note-1212. â Känguruleder Leder Info, aufgerufen am 18. Februar 2022
cite-note-1313. â Elefantenleder - Lederzentrum Lederlexikon. Abgerufen am 9. August 2023.
cite-note-1414. â W. Groenman-van Waateringe, M. Kilian, H. van Londen: The curing of hides and skins in European prehistory, in: Antiquity 73, 1999.
cite-note-1515. â Ăltester Lederschuh der Welt entdeckt (Spektrum direkt, abgerufen am 10. Juni 2010).
cite-note-pinhasi-1616. â Ron Pinhasi u. a.: First Direct Evidence of Chalcolithic Footwear from the Near Eastern Highlands. PLoS ONE 5(6): e10984. doi:10.1371/journal.pone.0010984.
cite-note-1717. â DIN EN 14906 Leder â Automobilleder â PrĂźfverfahren; Deutsche Fassung prEN 14906: 2010 (Memento vom 13. März 2014 im Internet Archive).
cite-note-1818. â Brand eins: Das geht auf keine Kuhhaut. Zitate: âDas beim Gerben verwendete Chromsulfat kann sich in das gesundheitsschädliche Schwermetall Chrom VI verwandeln. [⌠In Olivenblätter âŚ] finden sich Bitterstoffe, die den Baum gegen FraĂfeinde und Fäulnis schĂźtzen und sich auch als Gerbstoff eignen. [âŚ]âPflanzliche Gerbstoffe wie etwa aus Rhabarberwurzeln, Eichen- oder Mimosarinde kennt der Mensch seit eh und je. [âŚ] Aber die 400.000 Tonnen Chromgerbstoff, die jährlich weltweit fĂźr die Gerbung benĂśtigt werden, kĂśnnte man damit nie ersetzen. [âŚ].â Anders beim patentierten Olivengerbstoff: Bei der Olivenernte und beim RĂźckschnitt der Bäume fallen jährlich Hunderttausende von Tonnen Blätter an, die meist als Abfall verbrannt werden.â Ausgabe 10/2014, geladen am 7. November 2016
cite-note-1919. â K. Fuchs, M. Fuchs, L. Derichs: Faszination Leder. 2008.
cite-note-2020. â Wet Blue. In: Leder-Info.de. LEDERZENTRUM GmbH, abgerufen am 1. März 2018.
cite-note-2121. â Wet White. In: Leder-Info.de. LEDERZENTRUM GmbH, abgerufen am 1. März 2018.
cite-note-2222. â Crustleder. In: Leder-Info.de. LEDERZENTRUM GmbH, abgerufen am 2. März 2018.
cite-note-2323. â Vgl. Andrea JĂśrdens, Sarah Kiyanrad, Joachim Friedrich Quack: Leder. In: Michael Ott, Thomas Meier, Rebecca Sauer (Hrsg.): Materiale Textkulturen. Konzepte â Materialien â Praktiken (= Materiale Textkulturen). Band 1. De Gruyter, Berlin/Boston/MĂźnchen 2015, ISBN 978-3-11-037128-4, S. 323â335.
cite-note-2424. â Vgl. Gundolf Keil: Die âCirurgiaâ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 414 (zu âLederâ als Verbandsstoff und zu âLederhoseâ im Sinne von Lederstrumpf).
cite-note-2525. â Josephine Barbe: Leder Geschichte, Techniken, Projekte, Bern 2007, S. 40.
cite-note-josephine-barbe-2007-2626. â Josephine Barbe: Leder (Geschichte, Techniken, Projekte). 2007.
cite-note-2727. â Karlheinz Fuchs, Manuel Fuchs, Leo Derichs: Faszination Leder â Alltägliches und Exotisches unter der Lupe, Frankfurt 2008, S. 185.
cite-note-2828. â Ist Leder nachhaltig?. In: Careelite, Abruf am 24. Mai 2022.
cite-note-0-2929. â Ann-Cathrin Witte: Nachhaltige Schuhe: Wie Ăśkologisch sind Kork, Kunstleder & Co.? In: oekotest.de. 20. Januar 2021, abgerufen am 24. Mai 2022.
cite-note-3030. â Erwin Northoff: Vier GrĂźnde, warum die Welt unter schweren Wasserproblemen leidet. In: welthungerhilfe.de. April 2022, abgerufen am 24. Mai 2022.
cite-note-1-3131. â Silke Wichert: Wie verträgt sich Leder in der Mode mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz? In: bellevue.nzz.ch. 9. November 2019, abgerufen am 24. Mai 2022.
cite-note-2-3232. â Florian Gann: Wie nachhaltig sind Leder und vegane Alternativen? In: stuttgarter-nachrichten.de. 7. Januar 2022, abgerufen am 24. Mai 2022.
cite-note-3-3333. â Emily Chan: Nachhaltiges Leder: Gibt es das wirklich? Und ist es besser als veganes Leder? In: vogue.de. 9. Juni 2021, abgerufen am 24. Mai 2022.
cite-note-3434. â Die nachhaltigsten Alternativen fĂźr Leder. In: stern.de. 17. November 2021, abgerufen am 24. Mai 2022.